09. Mai 2019
Chefs tun mir leid. Ehrlich. Sie träumen von dem herrlichen Sessel und stellen sich dabei wunderwas vor: Das Möbel ist robust und leicht erhöht. Von da aus geraten bahnbrechende Ideen in die Welt. Am laufenden Band und beflügelt vom Team. So nennt man den Hofstaat in demokratischen Zeiten. Am Anfang läuft es erstaunlich gut. Mann kann sich nur wundern, dass die Untertanen – die Mitarbeiter, meine ich – einem das mit dem Chefsein so einfach abnehmen. Dabei ist mann dafür gar nicht...
28. April 2019
Ein allseits gelobter Film. „Border“. Er handelt von zwei Trollen in Schweden. Eine Frau und ein Mann. Die Frau kann die Gefühle von Menschen riechen. Sie arbeitet beim Zoll. Praktisch. Die Frau und der Mann erkennen sich. Ich habe gelernt: Trolle sehen komisch aus, die Fortpflanzung ist seltsam geregelt und sie essen gerne Insekten. Sie werden von den Menschen gepiesackt, sind aber selbst auch nur ausnahmsweise gute Trolle. Wie wir Menschen. Der Regisseur hat iranische Wurzeln. Ein Film...
19. April 2019
Das Schöne an so einem Blog ist, dass man schwadronieren kann, was das Zeug hält oder die geneigte Leserschaft mitmacht. Das Thema ist egal. Fischstäbchen mit Kartoffelsalat geht genauso wie Einzelheiten zur Fußpflege oder die ganz großen Sachen: Liebe, Leben, Tod und Teufel. „Viel Meinung, wenig Ahnung“ ist das Motto. Da kann jede jederzeit mithalten. Je breiter man die Meinung auswalzt, desto überzeugender kommt einem das anfängliche Häuflein Ahnung vor. Am Ende gibt man auf den...
07. April 2019
„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick; Im Tale grünet Hoffnungs-Glück; Der alte Winter, in seiner Schwäche, Zog sich in rauhe Berge zurück. Von dort her sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flur; Aber die Sonne duldet kein Weißes, Überall regt sich Bildung und Streben, Alles will sie mit Farben beleben; Doch an Blumen fehlt’s im Revier, Sie nimmt geputzte Menschen dafür. Kehre...
10. März 2019
Die närrische Zeit ist vorbei. Superman ist wieder Willi Würstchen und Diva Lisa füllt die Regale beim Rewe. Das Konto erholt sich, die Leber auch. Nur die Strüßjer werden welk und die Knutschflecken blass. Aber schön war´s, so wunderschön wie´s heute nicht mehr ist. Die unbändige Lust auf Mummenschanz, Schunkeln und Munkeln. Vorbei bis zum nächsten Jahr. Das verstehen aber nicht alle. Sie geben weiter den Popanz, spielen Prinz und Präsident, verkleiden sich als Helden und vertrauen...
22. Februar 2019
„Heu ja in Leverkusen so nicht“ steht in der WhatsApp-Nachricht. Wir sind zum Kino verabredet. Das klappt vermutlich nicht. Aber muss sie zum Heuen in die Nachbarstadt oder findet sie meinen Umgangston doof? Ich frage nach. Mit Fragezeichen. Ausgeschrieben wird daraus schnell ein „Versand je Woche“. Die automatische Vervollständigung ist sehr praktisch, wenn´s um Wünsche zum Geburtstag geht. Obwohl die Botschaft auch dann poetisch ausarten kann. Zum 60. Geburtstag hab´ ich was mit...
11. Februar 2019
„Wo ist denn die Mama?“ fragt der Vater und meint die Ehefrau. Vielleicht meint er auch, was er sagt. Wenn´s schwierig wird, ruft die ganze Menschheit nach der Mutter. Männer wie Frauen. Der Kuchen wird nichts, die Rosen haben Läuse und die Kinder schlechte Noten. Bei jeder Kleinigkeit möchte man sie anrufen. Beim Sterben wird sie sowieso verlangt. Unabhängig davon, ob diese Mama Ähnlichkeit hat mit der aus dem Bilderbuch. Das ist auch besser so. Es könnte zu Verwechslungen kommen....
22. Januar 2019
Ich gestehe, ich bin eine SUV-Fahrerin. Denn mein Vehikel ist sportlich und von großem Nutzen. Dabei denke ich selbstverständlich nur an mich. Freiheit heißt das. Unabhängig von sogenannten Fahrplänen und handfestem Gedränge. Ganz für mich will ich sein und schweigsam. Kein „bitte kann ich durch“ und „vielen Dank“ am frühen Morgen. Nicht beim schweren Abschied von der Nachtruhe schon der üble Gestank von wir-sind-schön-Douglas und das harte Aroma aus kalten Küchen. Mein...
30. Dezember 2018
Die Vergangenheit hat Konjunktur. Kaum einer freut sich auf morgen. Und Übermorgen kommt sowieso nicht in Frage. Nicht mit uns! Stimmt ja auch. Die meisten von uns überzähligen Alten liegen dann massenhaft verstreut in Friedwäldern herum. Hoffentlich hat das langfristig keine negativen Auswirkungen auf den Bestand von Rot- und Damwild. Das wäre schlimm für die jagenden Doktoren der Medizin und Jurisprudenz. Wahrscheinlich sorgt aber die ungezügelte Ablagerung von verbrannten Leichen im...
09. Dezember 2018
Ich habe mir eine neue Brille gekauft. Die Sicht lässt nach, die Mode nicht. Die Optikerin fand, randlos geht nicht mehr. Bieder und öko sei das. Wenn nicht linksradikal. Ein Gesicht, eine Persönlichkeit braucht heutzutage Kontur und Haltung. Sagt sie und setzt mir Gegenstände ins Gesicht, die als Modell für eine neue Rheinbrücke durchgehen. Jetzt habe ich eine ganz individuelle Fassung. Sie gleicht Haltungsfehler aus und bringt mich den Menschen näher. Die haben nämlich alle dasselbe...

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